Das Amtsgerichtsgefängnis Berlin-Köpenick – Ein Ort zwischen Justizalltag und NS-Terror
Mitten in Köpenick unmittelbar hinter dem Amtsgericht Köpenick befindet sich dieser historische Gebäudekomplex. Auf den ersten Blick wirkt das Gebäude wie ein typischer wilhelminischer Justizbau. Doch das ehemalige Amtsgerichtsgefängnis Berlin-Köpenick ist weit mehr als ein architektonisches Relikt, es steht für die frühen Anfänge des nationalsozialistischen Terrors.


Das Gefängnis wurde zusammen mit dem Gerichtsgebäude des heutigen Amtsgerichts Köpenick errichtet. Baubeginn war 1899, fertiggestellt war das Gebäude 1901. Bauherr war seinerzeit die Königliche Justizverwaltung Preußens. Der Bau entstand, weil die bisherigen Räumlichkeiten des Gerichts nicht mehr ausreichten. Wie für preußische Amtsgerichte dieser Zeit üblich, wurde ein eigener Gefängnistrakt direkt angegliedert. Ursprünglich diente das Gefängnis dem regulären Untersuchungs- und Kurzzeitarrest. Hier wurden Personen untergebracht, die auf ihre Gerichtsverhandlung warteten, die kurze Haftstrafen verbüßten oder die dem Amtsgericht vorgeführt werden sollten.



Das Gefängnis bot Platz für etwa 55 Häftlinge. Auch die Unterbringung von Frauen war möglich. Die Zellen waren einfach gehalten, sie bestanden aus Holzbetten, die heruntergeklappt werden konnten, einer Waschgelegenheit und einem einfachen Metalleimer, der für die Notdurft diente. Die Abdrücke der Eimer sind noch heute im Boden erkennbar. In einer Zelle befanden sich mehrere Gefangene auf engstem Raum. Architektonisch entspricht der Bau dem typischen funktionalen Gefängnisstil um 1900: schlichte Flure, massive Türen, kleine vergitterte Fenster, lange schmale vergitterte Holztreppen. Über drei Etagen symmetrisch der gleiche Aufbau. Alles wirkt eng, gedrungen. Im obersten Stockwerk sorgt das verglaste Dach für einen beklemmenden Lichteinfall über alle Stockwerke.








Seine historische Bedeutung erhielt das Gefängnis durch die Ereignisse im Juni 1933, wenige Monate nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Während der sogenannten Köpenicker Blutwoche wurde das Gefängnis zu einem zentralen Ort der Gewalt. Im Januar 1933 begann die systematische Ausschaltung politischer Gegner. In Köpenick nutzten lokale SA-Einheiten die Situation zur gezielten Verfolgung von Sozialdemokraten, Kommunisten, Gewerkschaftern und jüdischen Bürgern.
Rund 500 Personen wurden verhaftet und im Amtsgerichtsgefängnis festgehalten, misshandelt und gefoltert. Mindestens 23 Menschen starben infolge der Gewaltaktionen. Die Ereignisse gelten als eines der ersten groß angelegten Gewaltverbrechen des Regimes gegen politische Gegner im Berliner Raum.















Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die DDR das Gebäude zunächst als Männer- und Jugendgefängnis und später als Haftanstalt. 1964 übernahm die DEFA das Zellengebäude und nutzte es als Filmkulisse, Kostümfundus und Schneiderei.
Seit 1977 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. 1980 wurde im Keller ein Denkmal für die Opfer der Köpenicker Blutwoche errichtet. Ebenso wird ein Teil des Geländes von der Kunstanstalt Köpenick genutzt.













































































































































































































































































































































































































