Texel – Eine Woche Auszeit zwischen Dünen, Wattenmeer und Nordseeluft

Manchmal entstehen die schönsten Reisen aus besonderen Momenten. Zu meinem 40. Geburtstag bekam ich einen Rundflug über die Insel Texel geschenkt.

Die größte der niederländischen Watteninseln mit ihren endlosen Stränden, den beeindruckenden Dünenlandschaften und dem einzigartigen Wattenmeer wollte ich schon lange kennenlernen. Also machten wir uns auf den Weg nach Texel, um nicht nur den Rundflug zu erleben, sondern auch die Insel mit ihrem maritimen Charme zu entdecken.

Ein perfekter Zwischenstopp am Niederrhein

Auf dem Weg nach Texel haben wir zunächst eine Nacht auf dem Campingplatz Kerstgenshof in Sonsbeck-Labbeck verbracht. Der Campingplatz hat mich sofort überzeugt. Besonders beeindruckt haben mich die Sanitäranlagen – so sauber habe ich sie bisher auf keinem anderen Campingplatz erlebt.

Auch der Stellplatz war einfach nur großartig. Unser Reisemobilstellplatz war etwa 50 Quadratmeter groß und lag auf begrüntem Schotterrasen. Jeder Stellplatz verfügt über einen eigenen Strom-, Wasser- und Abwasseranschluss und wird durch kleine Buchenhecken vom Nachbarplatz getrennt. Besonders praktisch fand ich, dass der Stellplatzbereich unabhängig von der Schranke zugänglich ist und somit keine festen Ein- oder Ausfahrtszeiten eingehalten werden müssen.

Den Abend ließen wir im kleinen Bistro des Campingplatzes ausklingen, wo wir bei leckerem Essen und einem kühlen Getränk entspannt in den Urlaub starteten.

Mit der Fähre nach Texel

Am nächsten Morgen ging es weiter nach Den Helder, von wo aus die Fähre in nur etwa 20 Minuten nach Texel übersetzt. Nach unserer Ankunft bezogen wir zunächst unser Airbnb – eine liebevoll ausgebaute Scheune mit ausgebautem Dachstuhl und einer ausgesprochen herzlichen Gastgeberin. Ein wirklich uriges rustikales Zimmer mit viel Liebe zum Detail.

Natürlich zog es uns anschließend direkt an die Nordsee. Unser erstes Ziel war der markante Leuchtturm „Eierland“ im Norden der Insel. Endlich das Meer vor uns zu haben und die frische Seeluft zu genießen – genau so hatten wir uns den Urlaub vorgestellt.

Den Abend verbrachten wir in De Cocksdorp, wo wir uns mit leckeren Burgern stärkten.

Charmante Dörfer und süße Spezialitäten

Der nächste Tag führte uns durch einige der schönsten Orte der Insel. Wir schlenderten durch die kleinen Gassen von Den Burg, besuchten das malerische Den Hoorn und verbrachten einige Zeit im beliebten Badeort De Koog.

Zwischendurch durfte natürlich auch eine typisch niederländische Spezialität nicht fehlen: frisch zubereitete Poffertjes mit Vanilleeis – einfach köstlich!

Ein Spaziergang durch die Dünenlandschaft zeigte einmal mehr, wie abwechslungsreich die Natur auf Texel ist.

Am Abend machten wir uns noch auf die Suche nach dem bekannten „I Love Texel“-Selfie-Spot, bevor wir den Tag mit knusprigen Pommes ausklingen ließen.

Texel aus der Vogelperspektive

Ein absolutes Highlight unserer Reise war der Rundflug über die Insel. Aus der Luft zeigte sich Texel noch einmal von einer ganz anderen Seite. Die weiten Strände, das Wattenmeer, die Dünen und die grünen Wiesen ergeben aus der Vogelperspektive ein beeindruckendes Gesamtbild.

Im Anschluss besuchten wir noch eine der historischen Windmühlen der Insel – ein weiteres Wahrzeichen, das perfekt zur typisch niederländischen Landschaft passt.

Robben, Marineschiffe und das Wattenmeer

Ein weiteres unvergessliches Erlebnis war die Waddencruise mit der Texel 44. Zunächst führte uns die Tour zu einer Sandbank, auf der zahlreiche Robben in der Sonne lagen. Anschließend ging es weiter in den Hafen von Den Helder, wo mehrere Marineschiffe sowie ein Schiff der niederländischen Küstenwache zu sehen waren.

Nach der Bootstour gönnten wir uns eine Portion frisch zubereiteten Kibbeling mit Pommes – ein absolutes Muss bei jedem Hollandbesuch.

Am Nachmittag erkundeten wir noch das einzigartige Naturschutzgebiet De Slufter. Anders als viele andere Dünengebiete wird dieses regelmäßig vom Meer überflutet und bietet dadurch eine faszinierende Landschaft mit einer außergewöhnlichen Tier- und Pflanzenwelt.

Mit dem Fahrrad über die Insel

Am Freitag erkundeten wir Texel noch einmal ganz entspannt mit dem Fahrrad. Unsere Tour führte uns erneut nach Den Burg, bevor wir den letzten Abend bei einem leckeren Abendessen in De Koog genossen.

Anschließend fuhren wir noch an den Leuchtturm und bestaunten die Sonne beim Untergehen. Das Meer hatte sich weit zurückgezogen, sodass wir ein gutes Stück durch das Watt laufen konnten. Ich liebe das Meer und diesen einzigartigen Ausblick.

Abschied von einer besonderen Insel

Am Samstagmorgen hieß es schließlich Abschied nehmen. Mit der Fähre fuhren wir zurück nach Den Helder.

Vor der Heimreise verbrachten wir noch eine Nacht auf dem Campingplatz Kerstgenshof am Niederrhein.

Mein Fazit

Texel hat mich begeistert. Die Insel verbindet wunderschöne Naturschutzgebiete, endlose Sandstrände, gemütliche Dörfer und das einzigartige Wattenmeer auf ganz besondere Weise. Ob Spaziergänge durch die Dünen, Fahrradtouren, Robben beobachten oder einfach den Sonnenuntergang am Meer genießen – hier kommt jeder auf seine Kosten.

Für mich steht fest, das war ganz sicher nicht mein letzter Besuch auf Texel.

JVA Magdeburg – 110 Jahre hinter Gittern

Massive Mauern, vergitterte Fenster und endlos wirkende Zellentrakte – schon beim Betreten der ehemaligen Justizvollzugsanstalt im Herzen von Magdeburg wird klar, dass dieser Ort mehr als ein Jahrhundert Geschichte in sich trägt. Kaum ein anderer Lost Place vereint so viele unterschiedliche Epochen und Schicksale wie dieses ehemalige Gefängnis, das über 110 Jahre lang in Betrieb war.

Die Justizvollzugsanstalt wurde 1903 eröffnet und war bis zu ihrer Schließung im September 2013 durchgehend als Gefängnis genutzt. Auf dem weitläufigen Gelände befanden sich zwei große Haftgebäude, ein Verwaltungsgebäude, Küchenhaus, Wäscherei, medizinische Einrichtungen, eine Bibliothek sowie verschiedene Sportanlagen. Über Jahrzehnte hinweg war die JVA ein fester Bestandteil des Magdeburger Stadtbildes – wenn auch hinter hohen Mauern verborgen.

Während der Kaiserzeit und der Weimarer Republik diente die Haftanstalt dem regulären Strafvollzug. Auch während der Zeit des Nationalsozialismus blieb das Gefängnis in Betrieb.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhielt der Ort eine neue, düstere Bedeutung. Die sowjetische Besatzungsmacht nutzte die Anlage zunächst als Militärgefängnis. Später wurden hier unter anderem Polizeigefangene sowie Häftlinge des Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi) inhaftiert.

Besonders tragisch sind die Ereignisse rund um den Volksaufstand vom 17. Juni 1953. Während der Unruhen kamen mehrere Angehörige des Strafvollzugs ums Leben, zudem wurden Aufständische hingerichtet. Die Gedenkstätte Moritzplatz erinnert heute an die Opfer der politischen Verfolgung in dieser Zeit.

Auch nach der Wiedervereinigung blieb die JVA zunächst in Betrieb. Erst im Jahr 2013 fiel endgültig der Schlüssel zum letzten Mal ins Schloss. Ausschlaggebend für die Schließung waren vor allem die hohen Kosten für notwendige Modernisierungen sowie wirtschaftliche Überlegungen.

Seitdem verfällt die Anlage langsam. Leere Zellen, verlassene Flure und verwitterte Gebäude erzählen von einem Ort, an dem einst täglich hunderte Menschen lebten und arbeiteten.

Ein Blick aufs Dach durfte natürlich auch nicht fehlen.

Ganz vergessen wurde das Gelände jedoch nie. Im Jahr 2015 verwandelte sich die ehemalige Haftanstalt für kurze Zeit in einen außergewöhnlichen Kulturort. Beim Kunstfestival Die neue Sinnlichkeit präsentierten mehr als 200 Künstler ihre Installationen, Performances und Lichtkunst zwischen den alten Gefängnismauern. Für einen kurzen Moment kehrte wieder Leben an diesen geschichtsträchtigen Ort zurück.

Immer wieder wurden Pläne für eine neue Nutzung vorgestellt – von Wohnungen über kulturelle Einrichtungen bis hin zu gemischten Nutzungskonzepten. Bis heute blieb jedoch keine dieser Ideen Wirklichkeit.

Wer heute einen Blick auf die ehemalige JVA Magdeburg wirft, sieht weit mehr als nur ein verlassenes Gefängnis. Hinter den dicken Mauern verbergen sich über 110 Jahre deutscher Geschichte – geprägt von Kaiserreich, Nationalsozialismus, sowjetischer Besatzung, DDR und der Zeit nach der Wiedervereinigung.

Gerade diese Mischung aus historischer Bedeutung, beeindruckender Architektur und dem fortschreitenden Verfall macht die ehemalige Justizvollzugsanstalt zu einem der faszinierendsten Lost Places. Sie ist kein Ort für Gruselgeschichten, sondern ein stiller Zeuge vergangener Zeiten.

Zuckerfabrik Oldisleben

Wer einen authentischen Einblick in die Geschichte der Zuckerherstellung erhalten möchte, sollte die Zuckerfabrik Oldisleben besuchen. Das beeindruckende Industriedenkmal im thüringischen Kyffhäuserkreis ist weit mehr als ein Museum: Es ist die letzte vollständig erhaltene Zuckerfabrik Europas, die ihre ursprüngliche Produktionstechnik aus dem Jahr 1872 bewahrt hat.

Die Geschichte der Zuckerfabrik begann am 30. Januar 1872 mit der Gründung einer eingetragenen Genossenschaft. Nur wenige Tage später fiel der Beschluss, die neue Fabrik direkt neben einer bereits bestehenden Zuckersiederei zu errichten. Noch im selben Jahr starteten die Bauarbeiten, während die technische Ausstattung von der Firma Röhrig & König geliefert wurde.

Schon damals war die Fabrik ein bedeutendes Industrieprojekt. Ein 41,5 Meter hoher Schornstein prägte das Ortsbild, und die Produktionsanlagen wurden im Laufe der Jahrzehnte kontinuierlich erweitert. Bis heute sind unter anderem sechs historische Dampfmaschinen aus den Jahren 1882 bis 1925, ein Kalkofen von 1898 sowie die letzte erhaltene Diffusionsbatterie Europas aus dem Jahr 1906 erhalten geblieben.

Zudem verfügt die Fabrik über ein eigenes noch immer eingerichtetes Labor.

Ebenso verfügte die Fabrik über eine eigene Krankenstation.

Während der DDR-Zeit wurde die Zuckerfabrik verstaatlicht und in verschiedene volkseigene Kombinate eingegliedert. Trotz technischer Entwicklungen an anderen Standorten blieb Oldisleben seiner ursprünglichen Produktionsweise treu.

Die letzte Zuckerrübenkampagne fand vom 26. September bis zum 18. Dezember 1990 statt. In dieser Zeit wurden noch einmal 6.639 Tonnen Weißzucker produziert. Damit endete nicht nur die Zuckerproduktion in Oldisleben – gleichzeitig schloss Europas letzte Zuckerfabrik, die noch mit der ursprünglichen Technik des 19. Jahrhunderts arbeitete.

Nach dem Ende der Zuckerherstellung fiel eine richtungsweisende Entscheidung: Statt die Fabrik abzureißen oder zu modernisieren, sollte sie in ihrem originalen Zustand erhalten bleiben. Sie wurde unter Denkmalschutz gestellt und zu einem technischen Denkmal entwickelt.

Nach der deutschen Wiedervereinigung übernahm zunächst die Südzucker AG das Gelände. Mit Unterstützung zahlreicher Förderprogramme des Bundes und des Freistaats Thüringen sowie durch eigene Investitionen konnten die historischen Anlagen umfassend restauriert und für kommende Generationen bewahrt werden.

Seit 2021 befindet sich die Zuckerfabrik Oldisleben in der Trägerschaft der gemeinnützigen Stiftung Kulturgut Zuckerfabrik Oldisleben. Ihr Ziel ist es, dieses einzigartige Industriedenkmal langfristig zu erhalten und seine Geschichte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Heute können Besucher die historische Zuckerfabrik im Rahmen einer Führung besichtigen, auch Fototouren für Fotografen werden nach vorheriger Anmeldung angeboten und bieten spannende Einblicke in die Welt der historischen Zuckerproduktion.

Bagger 1473 und Kraftwerk Plessa

Der Bagger 1473 mit der Typenbezeichnung SRs 1500 ist ein Schaufelradbagger, der in den Jahren 1964/1965 vom VEB Schwermaschinenbau Lauchhammerwerk gefertigt wurde. Bis zum Jahr 2002 war er im Lausitzer Braunkohlerevier im Einsatz. Nach seiner Stilllegung erfolgte 2003 die Umsetzung nach Hörlitz, um das Gerät als technisches Denkmal und Zeugnis der Bergbaugeschichte zu erhalten.

Der Bagger erhielt wegen seiner auffälligen blauen Farbe den Spitznamen „Blaues Wunder“. Inzwischen ist von diesem kräftigen Blauton allerdings kaum noch etwas zu sehen.

Anfang 2019 führte der zunehmende Verfall und Vandalismus erneut zu Überlegungen, den Bagger abzureißen; lediglich das Schaufelrad sollte erhalten bleiben. Nach Protesten vieler Bürger – darunter auch ehemalige Bergleute – wurde der Bagger vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege in die Denkmalliste aufgenommen.

Im August 2024 reichten die Bürgermeister der Städte Senftenberg, Großräschen und Schipkau bei der Oberen Denkmalschutzbehörde einen Antrag auf Entfernung des Baggers aus der Denkmalliste ein, um so seine kontrollierte Sprengung und anschließende Verwertung zu ermöglichen. Der Bagger befindet sich in einem immer schlechter werdenden Zustand, was mit Gefahren und hohen Kosten für die Instandhaltung verbunden ist. Der Bürgermeister von Schipkau betont, dass der Erhalt des Baggers nur möglich ist, wenn das Land Brandenburg finanzielle Hilfe für dringend notwendige Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten bereitstellt. Die Zukunft des Baggers bleibt offen.

Im Rahmen einer geführten Tour hatten wir die Möglichkeit das Kraftwerk Plessa zu besuchen.

Das Kraftwerk zählt zu den bedeutenden Industriedenkmalen der südbrandenburgischen Gemeinde Plessa im Landkreis Elbe-Elster. Als eines der ältesten Braunkohlekraftwerke Europas ist es in seiner ursprünglichen Bausubstanz erhalten geblieben.

Die Inbetriebnahme erfolgte 1927 durch den Elektrizitätsverband Gröba. In den 20er und 30er Jahren galt das Werk als eines der modernsten seiner Art. Nach Abschluss der drei Hauptbauphasen im Jahr 1942 erreichte das Kraftwerk eine Leistung von 54 MW, die infolge von Reparationsleistungen im Jahr 1945 auf 34 MW reduziert wurde.

Die Anlage wurde am 22. Juli 1985 unter Denkmalschutz gestellt. Nach der politischen Wende versuchte die Gemeinde Plessa mit einem Partner das Kraftwerk auf Erdgas umzurüsten, doch das Vorhaben scheiterte an hohen Kosten. Am 14. April 1992 ging das Kraftwerk endgültig vom Netz.

Im Jahr 1996 wurde das Kraftwerk vollständig von der Gemeinde Plessa übernommen. 2001 gründeten der Förderverein Kraftwerk Plessa e. V. und die Gemeinde gemeinsam die Industrie-Denkmal und Industrie-Museum Kraftwerk Plessa gGmbH, welche heute Eigentümerin des sechs Hektar großen Areals ist. Im September desselben Jahres starteten umfangreiche Sanierungs- und Sicherungsarbeiten am Gebäude, wobei der Schwerpunkt auf der Dachsanierung lag. Die Etablierung als Erlebnis-Kraftwerk Plessa scheiterten jedoch aufgrund der zu hohen Kosten. Aktuell liegt das Kraftwerk im Dornröschenschlaf. Die Zoelly-Turbine wurde von Kabeldieben zerstört, soll jedoch restauriert und in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden.

Durch die nunmehr regelmäßig stattfindenden Fototouren sollen Instandhaltungs- und Reparaturmaßnahmen finanziert werden. Die Zukunft des Kraftwerks bleibt weiterhin ungewiss. Es ist zu hoffen, dass es noch viele Jahre im jetzigen Zustand erhalten werden kann.

Das Amtsgerichtsgefängnis Berlin-Köpenick – Ein Ort zwischen Justizalltag und NS-Terror

Mitten in Köpenick unmittelbar hinter dem Amtsgericht Köpenick befindet sich dieser historische Gebäudekomplex. Auf den ersten Blick wirkt das Gebäude wie ein typischer wilhelminischer Justizbau. Doch das ehemalige Amtsgerichtsgefängnis Berlin-Köpenick ist weit mehr als ein architektonisches Relikt, es steht für die frühen Anfänge des nationalsozialistischen Terrors.

Das Gefängnis wurde zusammen mit dem Gerichtsgebäude des heutigen Amtsgerichts Köpenick errichtet. Baubeginn war 1899, fertiggestellt war das Gebäude 1901. Bauherr war seinerzeit die Königliche Justizverwaltung Preußens. Der Bau entstand, weil die bisherigen Räumlichkeiten des Gerichts nicht mehr ausreichten. Wie für preußische Amtsgerichte dieser Zeit üblich, wurde ein eigener Gefängnistrakt direkt angegliedert. Ursprünglich diente das Gefängnis dem regulären Untersuchungs- und Kurzzeitarrest. Hier wurden Personen untergebracht, die auf ihre Gerichtsverhandlung warteten, die kurze Haftstrafen verbüßten oder die dem Amtsgericht vorgeführt werden sollten.

Das Gefängnis bot Platz für etwa 55 Häftlinge. Auch die Unterbringung von Frauen war möglich. Die Zellen waren einfach gehalten, sie bestanden aus Holzbetten, die heruntergeklappt werden konnten, einer Waschgelegenheit und einem einfachen Metalleimer, der für die Notdurft diente. Die Abdrücke der Eimer sind noch heute im Boden erkennbar. In einer Zelle befanden sich mehrere Gefangene auf engstem Raum. Architektonisch entspricht der Bau dem typischen funktionalen Gefängnisstil um 1900: schlichte Flure, massive Türen, kleine vergitterte Fenster, lange schmale vergitterte Holztreppen. Über drei Etagen symmetrisch der gleiche Aufbau. Alles wirkt eng, gedrungen. Im obersten Stockwerk sorgt das verglaste Dach für einen beklemmenden Lichteinfall über alle Stockwerke.

Seine historische Bedeutung erhielt das Gefängnis durch die Ereignisse im Juni 1933, wenige Monate nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Während der sogenannten Köpenicker Blutwoche wurde das Gefängnis zu einem zentralen Ort der Gewalt. Im Januar 1933 begann die systematische Ausschaltung politischer Gegner. In Köpenick nutzten lokale SA-Einheiten die Situation zur gezielten Verfolgung von Sozialdemokraten, Kommunisten, Gewerkschaftern und jüdischen Bürgern.

Rund 500 Personen wurden verhaftet und im Amtsgerichtsgefängnis festgehalten, misshandelt und gefoltert. Mindestens 23 Menschen starben infolge der Gewaltaktionen. Die Ereignisse gelten als eines der ersten groß angelegten Gewaltverbrechen des Regimes gegen politische Gegner im Berliner Raum.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die DDR das Gebäude zunächst als Männer- und Jugendgefängnis und später als Haftanstalt. 1964 übernahm die DEFA das Zellengebäude und nutzte es als Filmkulisse, Kostümfundus und Schneiderei.

Seit 1977 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. 1980 wurde im Keller ein Denkmal für die Opfer der Köpenicker Blutwoche errichtet. Ebenso wird ein Teil des Geländes von der Kunstanstalt Köpenick genutzt.

Likolit Linoleumwerk Kohlmühle GmbH

Endlich wieder ein Fotoausflug! Diesmal führte uns unser Weg nach Kohlmühle. Die Anreise war abenteuerlich über eine einspurige, schmale, kurvige Straße mit Gegenverkehr.  Am Ende der Straße erscheint die atemberaubende Ruine der Likolit Linoleumwerk Kohlmühle GmbH.

Kohlmühle ist der kleinste Ortsteil von Hohnstein in der Sächsischen Schweiz und befindet sich im Sebnitztal. Besonders auffällig ist das große Backsteingebäude des Linoleumwerkes Kohlmühle, das unter Denkmalschutz steht. Ursprünglich wurde die Fabrik 1901/1902 zur Herstellung von Papier und Pappe errichtet. Im Jahr 1906 übernahm die Eduard Keffel AG Tannenbergsthal das Werk und legte den Fokus auf Kunstleder- und Wachstucherzeugnisse. Ab 1921 wurde Tisch- und Drucklinoleum produziert, 1931 kam es zur Übernahme einer weiteren Lederpappenfabrik in Planitz. Während des Zweiten Weltkriegs wurde ein Teil der Produktion auf Kriegsbedarf für die Junkerswerke Dessau umgestellt. Zwischen 1945 und 1946 ließ die sowjetische Militäradministration Maschinen und Anlagen demontieren.

Mit der Gründung der volkseigenen Betriebe in der ehemaligen DDR wurde das Werk 1948 verstaatlicht, modernisiert und erweitert. Ab 1952 trug es den Namen VEB Linoleumwerk Kohlmühle. In den späten 1960er Jahren wurden überwiegend Technologien aus Westdeutschland eingeführt. Damals gehörte das Unternehmen zu den fortschrittlichsten Herstellern von Fußbodenbelägen und verfügte über hohe Sicherheitsstandards. Im Jahr 1967 startete die Produktion von PVC-Fußbodenbelägen.

Nach der Wende wurde das Unternehmen in Likolit Linoleumwerk Kohlmühle GmbH umbenannt. Am 25. November 2013 eröffnete das Amtsgericht ein Insolvenzverfahren gegen die Firma. Im März 2014 wurde der Betrieb eingestellt. Die Insolvenz führte am 31. Mai 2016 zur Versteigerung und anschließend zum Verkauf der Firma. Aufgrund zahlreicher Schäden und Kontaminationen zweifeln die neuen Eigentümer jedoch an einer raschen und umfassenden Sanierung. Momentan wird am Standort der Ausbau der „Kulturfabrik Kohlmühle“ vorangetrieben. Eine Besichtigung des beeindruckenden Gebäudes ist über die Kulturfabrik Kohlmühle nach vorheriger Terminvereinbarung möglich.

Im Mai 2015 kam es zu einer Verunreinigung des Flusses Sebnitz infolge eines Unfalls. Nach Angaben des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie gelangten etwa fünf Kubikmeter Dioctylphthalat in das Gewässer. Diese organisch-chemische Verbindung ist neutral, wasserunlöslich, ölig, farblos bis schwach gelb und gilt als gering wassergefährdend. Industriell wird Dioctylphthalat als Weichmacher eingesetzt und stellt einen Produktionsrückstand aus der Herstellung von PVC-Belag dar. Am 20. September 2015 wurde zudem ein Gefahrguteinsatz der Freiwilligen Feuerwehr bei Likolit in Kohlmühle durchgeführt, wobei drei leere Behälter mit radioaktivem Warnsymbol geborgen werden mussten. In der Vergangenheit wurde bei Likolit radioaktives Material für Prüf- und Messzwecke verwendet.

Spätsommer-Roadtrip von Nürnberg über Köln an die belgische Küste

Einmal im Jahr muss ich das Meer sehen …

Einmal im Jahr möchte ich das Meer sehen. Dieses kleine Ritual ist für mich der Inbegriff von Auszeit und Freiheit. Aber auch Sightseeing gehört für mich zu einem gelungenen Urlaub. So führte uns unsere letzte Reise in diesem Jahr über Köln an die belgische Küste und auf dem Rückweg in die wunderschöne Vulkaneifel.

Köln – Camping mitten in der Stadt

Unsere erste Station war Köln, wo wir zwei Nächte auf dem Campingplatz Stadt Köln verbrachten. Der Platz liegt idyllisch im Landschaftsschutzgebiet, direkt am Rhein – und dennoch erstaunlich zentral. Unser Stellplatz war großzügig bemessen und lag angenehm schattig unter zwei Bäumen.

Die Sanitäranlagen befinden sich zentral am Eingang im 1. Obergeschoss und sind über eine Außentreppe erreichbar. Für alle, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind, steht im Erdgeschoss ein rollstuhlgerechtes Bad mit Dusche zur Verfügung. Besonders praktisch: Am kleinen Kiosk auf dem Platz gibt es alles, was man möglicherweise vergessen hat – plus frischen Kaffee und am Wochenende sogar einen Brötchenservice.

In der Hauptsaison bietet der Campingplatz über die Radstation Köln auch Leihfahrräder an. Einfach ausleihen, aufsteigen und losradeln – das Angebot haben wir gern genutzt. So waren wir flexibel, kostengünstig und vor allem autofrei unterwegs.

Der Weg in die Stadt führte uns bei herrlichem Sonnenschein am Rheinauhafen entlang. Nach der Besichtigung des beeindruckenden Kölner Doms besuchten wir die Maus aus „Sendung mit der Maus“ und gönnten uns anschließend einen leckeren Burger im Hard Rock Café.

Weiter ging es zur Rhein-Seilbahn, mit der wir einmal über den Rhein schwebten.

Auf dem Rückweg radelten wir entlang der anderen Rheinseite mit tollem Blick auf die Hohenzollernbrücke und den Dom. Von den Poller Wiesen aus genossen wir die Aussicht auf den Rheinauhafen – mit einem Eis in der Hand ließen wir den Tag gemütlich ausklingen.

Belgische Küste – Meer, Ruhe und weite Promenaden

Am nächsten Tag fuhren wir weiter nach Westende an die belgische Küste und bezogen unseren Platz auf dem Camping Westende. Schnell war das Zelt aufgebaut und wir machten einen ersten Spaziergang zur Promenade und zum Strand. Die Hauptsaison war bereits vorbei, viele Läden hatten geschlossen – dafür war es angenehm ruhig, und die Stimmung wunderbar entspannt.

Abends gab es Pizza beim Italiener und – wie sollte es anders sein – ein Eis bei immer noch strahlendem Sonnenschein.

Am folgenden Tag nutzten wir die Küstentram, um gemütlich die belgische Küste entlangzufahren. Wir machten Halt in Koksijde, Nieuwpoort und Ostende. Das Wetter spielte weiterhin mit und wir genossen den Tag in vollen Zügen.

Tagesausflug nach Frankreich: Calais entdecken

Am nächsten Morgen machten wir uns mit dem Auto auf den Weg nach Calais, an die nordfranzösische Küste. Die Stadt liegt an der engsten Stelle des Ärmelkanals – nur 34 Kilometer von der englischen Südküste entfernt – und ist als Hafenstadt ein wichtiger Knotenpunkt mit jährlich rund 30 Millionen Durchreisenden.

Auf dem Weg zur Autobahn passierten wir Nieuwpoort. Bei dem majestätisch wirkenden Denkmal musste ich einfach halten. Das König-Albert-Denkmal wurde im Jahr 1938 auf Initiative und mit Unterstützung der Veteranenverbände des Ersten Weltkriegs errichtet. Aufgrund der historischen Bedeutung der Yser im Krieg befindet sich das Denkmal am Ufer des Flusses. Das Bauwerk wurde von Julien de Ridder entworfen und zeichnet sich durch seine kreisförmige Struktur mit einem Durchmesser von 30 Metern aus. Im Zentrum steht eine Reiterstatue von König Albert I., geschaffen vom Bildhauer Karel Aubroeck. Jährlich am ersten Sonntag im August findet hier die Nationale Ehrung für S.M. König Albert I. und die Helden der Yser statt.

Auf dem Weg machten wir Halt an der Église Saint-Pierre de Chartres – ein beeindruckendes Bauwerk, das seit 1840 unter Denkmalschutz steht. Auf dem Vorplatz stärkten wir uns mit leckeren Pommes und Onion Rings.

In Calais angekommen, parkten wir zentral und starteten unsere Stadtbesichtigung. Zuerst ging es zur katholischen Pfarrkirche Notre-Dame, die im 15. Jahrhundert erbaut wurde. Leider konnten wir sie nur von außen besichtigen, aber schon das war beeindruckend.

Weiter Richtung Küste besuchten wir den Phare de Calais, einen Leuchtturm in der Altstadt in Hafennähe – ein wichtiges Wahrzeichen für die Schifffahrt am Ärmelkanal. Danach ging es an den Strand zur Jetée ouest, wo wir einen weiteren Leuchtturm besichtigten. Bei klarer Sicht kann man von hier sogar die Kreidefelsen von Dover sehen – wir konnten sie immerhin erahnen.

Auf dem Rückweg machten wir noch einen kurzen Stopp am Rathaus von Calais (Hôtel de Ville) mit seinem 72 Meter hohen Glockenturm. Ein imposantes Gebäude, das 2003 zum „Monument historique“ erklärt wurde.

Ein Tag in Brügge – ein Spaziergang durch die Geschichte

An unserem letzten Tag an der Küste fuhren wir wieder mit der Küstentram nach Ostende und stiegen dort in den Zug nach Brügge um. Die Hauptstadt der Provinz Westflandern ist wie eine Zeitreise ins Mittelalter: Die Altstadt ist umgeben von Kanälen, alten Wallanlagen mit Windmühlen und wunderschöner Backsteingotik.

Da Brügge nie durch Kriege oder Brände zerstört wurde, ist das Stadtbild nahezu vollständig erhalten. Die Altstadt wurde 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt, 2002 war Brügge sogar Europäische Kulturhauptstadt.

Wir besichtigten die Kathedrale St. Salvator, die Liebfrauenkirche, den Grote Markt, den Belfried, den romantischen Rozenhoedkaai sowie die Nepomukbrücke. Eine traumhaft schöne Altstadt voller kleiner Gässchen und liebevoller Details.

Natürlich durften belgische Waffeln nicht fehlen. Auf dem Weg zum Zug kauften wir dann natürlich auch noch belgische Schokolade. Abends gönnten wir uns noch ein Abendessen beim Chinesen, ehe es zurück auf den Campingplatz ging. Der Wind frischte auf und es war regen für die Nacht angekündigt.

Vulkaneifel

Am nächsten Morgen packten wir zusammen und machten uns auf den Weg nach Daun in der Vulkaneifel. Dort ließen wir den Urlaub bei einem entspannten Wochenende mit der Familie ausklingen – bevor es schließlich wieder nach Hause ging.

Prag, die goldene Stadt an der Moldau

Vor Kurzem haben wir ein paar Tage in Prag verbracht und uns die goldene Stadt an der Moldau etwas genauer angeschaut.

Übernachten auf dem Wasser – unser Botel-Erlebnis

Unsere Unterkunft war etwas ganz Besonderes: Wir haben auf dem Botel Marina übernachtet, einem gemütlichen Hotelschiff, das am Ufer der Moldau liegt. Die Aussicht auf den Fluss am Morgen und das sanfte Schaukeln des Wassers machten unseren Aufenthalt einzigartig. Das üppige und sehr einladende Frühstücksbuffet war genau das Richtige, um gestärkt in den Tag zu starten.

Von unserem Botel aus ging es bequem mit Bus und Metro direkt ins Zentrum von Prag. Die öffentlichen Verkehrsmittel bringen einen schnell zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten.

Altstadtflair und Pizza am Rathaus

Unser erstes Ziel war die berühmte Rathausuhr (Orloj) am Altstädter Rathaus, eine astronomische Uhr aus dem Jahr 1410, die Teynkirche, das Jan-Hus-Denkmal und die Mariensäule am Altstädter Ring. Um die Ecke fanden wir eine gemütliche Pizzeria, in der wir draußen sitzen und Pizza essen konnten. Anschließend machten wir uns durch die verwinkelten Gässchen auf den Weg zur Straßenbahn um wieder zum Botel zu fahren.

Prager Burg und Karlsbrücke

Am nächsten Tag stand Kultur und Geschichte auf dem Programm. Wir machten uns auf zur Prager Burg, die majestätisch über der Stadt thront. Die Anlage ist riesig, mit prächtigen Höfen, der imposanten St.-Veits-Kathedrale und herrlichen Ausblicken über Prag.

Von der Burg aus spazierten wir bergab und überquerten die berühmte Karlsbrücke, gesäumt von barocken Statuen, Straßenkünstlern, Musikern und Touristen. Die Atmosphäre hier ist einzigartig.

Ein Besuch im Hard Rock Cafe durfte natürlich auch nicht fehlen ;o)

Abschluss auf der Moldau

Zum Abschluss unseres Kurzurlaubs gönnten wir uns eine Bootsfahrt auf der Moldau. Vom Wasser aus bekommt man eine ganz neue Perspektive auf die Stadt – vorbei an historischen Gebäuden und unter alten Brücken hindurch – der perfekte Abschluss.

Fazit: Prag ist eine Reise wert

Prag hat mit seinem historischen Charme begeistert. Das war zwar nicht mein erster Besuch in dieser wundervollen Stadt, aber mit Sicherheit auch nicht mein letzter. Wenn man sich einmal in Prag verliebt hat, dann kommt man immer wieder.

Dresden – Barock, Brücken & besondere Ausblicke

Dresden – eine Stadt, die Geschichte und Moderne auf beeindruckende Weise verbindet. Unser Kurztrip hat uns gezeigt, wie viel man in nur zwei Tagen entdecken kann. Unsere Unterkunft war das Best Western Hotel in der Neustadt – modern, ruhig gelegen und perfekt angebunden. Nach dem Einchecken ging es direkt mit der Straßenbahn in die Altstadt. Der Startpunkt unseres Spaziergangs: der Goldene Reiter, das berühmte Reiterstandbild August des Starken. Von dort aus überquerten wir die Elbe über die Augustusbrücke – mit Blick auf das eindrucksvolle Panorama der Dresdner Altstadt.

Zwischen Hofkirche, Fürstenzug und Frauenkirche

Unser Weg führte uns zuerst zur Hofkirche, ein prachtvoller Kirchenbau direkt neben dem Residenzschloss. Weiter ging’s zum Fürstenzug, einem einzigartigen Wandbild aus Meißner Porzellanfliesen, das die Geschichte des sächsischen Herrscherhauses zeigt.

Ein absolutes Highlight war der Besuch der Frauenkirche. Der Aufstieg auf den Turm zur Aussichtsplattform war zwar anstrengend, aber lohnenswert – oben erwartete uns ein traumhafter Rundumblick über ganz Dresden.

Kultur pur – Zwinger & Semperoper

Natürlich durfte auch der berühmte Zwinger nicht fehlen – eines der schönsten Barock-Ensembles Europas. Wir haben die eindrucksvolle Architektur genossen und einen Blick (leider nur von außen) auf die Semperoper geworfen – eines der bekanntesten Opernhäuser Deutschlands.

Am Abend ließen wir den Tag im Café Alex direkt in der Innenstadt ausklingen – mit gutem Essen und entspanntem Ambiente.

Der zweite Tag – Technik trifft Natur

Am nächsten Morgen stiegen wir in den Hop-on-Hop-off-Bus und fuhren zum Blauen Wunder, einer der bekanntesten Brücken Dresdens. Von dort aus ging es mit der Schwebebahn den Berg hinauf. Oben angekommen erwartete uns ein wunderschöner Ausblick über Elbtal, Stadt und Umgebung.

Zurück in der Altstadt besuchten wir die Brühlsche Terrasse, oft als der „Balkon Europas“ bezeichnet. Mit Blick auf die Elbe, historische Bauten und das Treiben der Stadt lässt es sich hier wunderbar flanieren.

Zum Abschluss: Dresdner Kneipencharme

Den Abend verbrachten wir im Anton, einer kleinen, urigen Eckkneipe mit viel Charme, gutem Essen und einer herzlichen Atmosphäre – genau das Richtige zum Ausklang unseres Aufenthalts.

Friedhof Altenburg

An Fronleichnam nahmen wir die Gelegenheit wahr, den alten Friedhof in Altenburg zu besichtigen.

Der Friedhof gehört zu den ältesten noch heute genutzten Stadtfriedhöfen Thüringens. Auf dem parkähnlichen Gelände befinden sich Architekturen und Grabmale aus den letzten vier Jahrhunderten. Der Haupteingang ist eine Kapelle im neogotischen Stil.

Im Rahmen der Führung konnten wir die alte Trauerhalle, die zur Aufbahrung diente, die Gottesackerkirche und die Fürstengruft besichtigen.

Der erste Verstorbene wurde am 6. Juni 1529 auf dem damaligen „Gottesacker“ beigesetzt. Die ursprüngliche Grabanlage des „Katholischen Friedhofs“ befand sich im Bereich der heutigen „Gottesackerkirche“. Aufgrund des stetigen Bevölkerungswachstums wurde der Friedhof bisher elfmal erweitert, einschließlich der Einbeziehung des „Städtischen Friedhofs“.

Die Gottesackerkirche wurde von 1635 bis 1651 im Stil der italienischen Spätrenaissance erbaut. Sie hat fünf Fensterachsen und einen Haupteingang mit doppelläufiger Treppe. Die Kirche schließt den 1529 angelegten Friedhof ab und wurde bis in die 1970er Jahre als Garnison- und Friedhofskirche genutzt. Von 1813 bis 1840 war sie profaniert. Das Deckenbild zeigt die Dreifaltigkeit, die Kanzel ist mit Goldelementen verziert. Die Orgel stammt aus dem Jahr 1845.

Die im altdeutschen Stil errichtete Fürstengruft vollendete der Baukontrolleur Winkler im Herbst 1841. In den Jahren von 1844 bis 1919 wurden in dieser 15 Angehörige der herzoglichen Familie bestattet. Alle Särge mussten 1974 aufgrund des schlechten Zustands des Gebäudes in andere Grabstätten auf dem Friedhof umgebettet werden. Heute ist die Gruft nur noch eine reizvolle Ruine. 

Die Trauerhalle ist Teil eines neugotischen Gebäudeensembles, das aus drei Teilen besteht. Der gesamte Gebäudekomplex wurde aus Sandstein aus den Postaer Steinbrüchen bei Pirna an der Elbe errichtet. Sie wurde 1895 erbaut und war bis 1930 in Nutzung. Durch die Jahre geriet die Halle in Vergessenheit. Eine dringend erforderliche Restaurierung konnte aus Kostengründen bislang nicht erfolgen. So befindet sich die ehemalige Trauerhalle im Dornröschenschlaf. Die Kapelle wird auch heute noch für kirchliche Bestattungen genutzt.

Auch ein Streifzug über den Friedhof lohnt sich. Auf dem Friedhof fanden zahlreiche, auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Persönlichkeiten ihre letzte Ruhe. Einige dieser Grabstätten sind noch erhalten. Sehr beeindruckend war auch der alte Baumbestand.