Kategorie: Urbex

JVA Magdeburg – 110 Jahre hinter Gittern

Massive Mauern, vergitterte Fenster und endlos wirkende Zellentrakte – schon beim Betreten der ehemaligen Justizvollzugsanstalt im Herzen von Magdeburg wird klar, dass dieser Ort mehr als ein Jahrhundert Geschichte in sich trägt. Kaum ein anderer Lost Place vereint so viele unterschiedliche Epochen und Schicksale wie dieses ehemalige Gefängnis, das über 110 Jahre lang in Betrieb war.

Die Justizvollzugsanstalt wurde 1903 eröffnet und war bis zu ihrer Schließung im September 2013 durchgehend als Gefängnis genutzt. Auf dem weitläufigen Gelände befanden sich zwei große Haftgebäude, ein Verwaltungsgebäude, Küchenhaus, Wäscherei, medizinische Einrichtungen, eine Bibliothek sowie verschiedene Sportanlagen. Über Jahrzehnte hinweg war die JVA ein fester Bestandteil des Magdeburger Stadtbildes – wenn auch hinter hohen Mauern verborgen.

Während der Kaiserzeit und der Weimarer Republik diente die Haftanstalt dem regulären Strafvollzug. Auch während der Zeit des Nationalsozialismus blieb das Gefängnis in Betrieb.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhielt der Ort eine neue, düstere Bedeutung. Die sowjetische Besatzungsmacht nutzte die Anlage zunächst als Militärgefängnis. Später wurden hier unter anderem Polizeigefangene sowie Häftlinge des Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi) inhaftiert.

Besonders tragisch sind die Ereignisse rund um den Volksaufstand vom 17. Juni 1953. Während der Unruhen kamen mehrere Angehörige des Strafvollzugs ums Leben, zudem wurden Aufständische hingerichtet. Die Gedenkstätte Moritzplatz erinnert heute an die Opfer der politischen Verfolgung in dieser Zeit.

Auch nach der Wiedervereinigung blieb die JVA zunächst in Betrieb. Erst im Jahr 2013 fiel endgültig der Schlüssel zum letzten Mal ins Schloss. Ausschlaggebend für die Schließung waren vor allem die hohen Kosten für notwendige Modernisierungen sowie wirtschaftliche Überlegungen.

Seitdem verfällt die Anlage langsam. Leere Zellen, verlassene Flure und verwitterte Gebäude erzählen von einem Ort, an dem einst täglich hunderte Menschen lebten und arbeiteten.

Ein Blick aufs Dach durfte natürlich auch nicht fehlen.

Ganz vergessen wurde das Gelände jedoch nie. Im Jahr 2015 verwandelte sich die ehemalige Haftanstalt für kurze Zeit in einen außergewöhnlichen Kulturort. Beim Kunstfestival Die neue Sinnlichkeit präsentierten mehr als 200 Künstler ihre Installationen, Performances und Lichtkunst zwischen den alten Gefängnismauern. Für einen kurzen Moment kehrte wieder Leben an diesen geschichtsträchtigen Ort zurück.

Immer wieder wurden Pläne für eine neue Nutzung vorgestellt – von Wohnungen über kulturelle Einrichtungen bis hin zu gemischten Nutzungskonzepten. Bis heute blieb jedoch keine dieser Ideen Wirklichkeit.

Wer heute einen Blick auf die ehemalige JVA Magdeburg wirft, sieht weit mehr als nur ein verlassenes Gefängnis. Hinter den dicken Mauern verbergen sich über 110 Jahre deutscher Geschichte – geprägt von Kaiserreich, Nationalsozialismus, sowjetischer Besatzung, DDR und der Zeit nach der Wiedervereinigung.

Gerade diese Mischung aus historischer Bedeutung, beeindruckender Architektur und dem fortschreitenden Verfall macht die ehemalige Justizvollzugsanstalt zu einem der faszinierendsten Lost Places. Sie ist kein Ort für Gruselgeschichten, sondern ein stiller Zeuge vergangener Zeiten.

Zuckerfabrik Oldisleben

Wer einen authentischen Einblick in die Geschichte der Zuckerherstellung erhalten möchte, sollte die Zuckerfabrik Oldisleben besuchen. Das beeindruckende Industriedenkmal im thüringischen Kyffhäuserkreis ist weit mehr als ein Museum: Es ist die letzte vollständig erhaltene Zuckerfabrik Europas, die ihre ursprüngliche Produktionstechnik aus dem Jahr 1872 bewahrt hat.

Die Geschichte der Zuckerfabrik begann am 30. Januar 1872 mit der Gründung einer eingetragenen Genossenschaft. Nur wenige Tage später fiel der Beschluss, die neue Fabrik direkt neben einer bereits bestehenden Zuckersiederei zu errichten. Noch im selben Jahr starteten die Bauarbeiten, während die technische Ausstattung von der Firma Röhrig & König geliefert wurde.

Schon damals war die Fabrik ein bedeutendes Industrieprojekt. Ein 41,5 Meter hoher Schornstein prägte das Ortsbild, und die Produktionsanlagen wurden im Laufe der Jahrzehnte kontinuierlich erweitert. Bis heute sind unter anderem sechs historische Dampfmaschinen aus den Jahren 1882 bis 1925, ein Kalkofen von 1898 sowie die letzte erhaltene Diffusionsbatterie Europas aus dem Jahr 1906 erhalten geblieben.

Zudem verfügt die Fabrik über ein eigenes noch immer eingerichtetes Labor.

Ebenso verfügte die Fabrik über eine eigene Krankenstation.

Während der DDR-Zeit wurde die Zuckerfabrik verstaatlicht und in verschiedene volkseigene Kombinate eingegliedert. Trotz technischer Entwicklungen an anderen Standorten blieb Oldisleben seiner ursprünglichen Produktionsweise treu.

Die letzte Zuckerrübenkampagne fand vom 26. September bis zum 18. Dezember 1990 statt. In dieser Zeit wurden noch einmal 6.639 Tonnen Weißzucker produziert. Damit endete nicht nur die Zuckerproduktion in Oldisleben – gleichzeitig schloss Europas letzte Zuckerfabrik, die noch mit der ursprünglichen Technik des 19. Jahrhunderts arbeitete.

Nach dem Ende der Zuckerherstellung fiel eine richtungsweisende Entscheidung: Statt die Fabrik abzureißen oder zu modernisieren, sollte sie in ihrem originalen Zustand erhalten bleiben. Sie wurde unter Denkmalschutz gestellt und zu einem technischen Denkmal entwickelt.

Nach der deutschen Wiedervereinigung übernahm zunächst die Südzucker AG das Gelände. Mit Unterstützung zahlreicher Förderprogramme des Bundes und des Freistaats Thüringen sowie durch eigene Investitionen konnten die historischen Anlagen umfassend restauriert und für kommende Generationen bewahrt werden.

Seit 2021 befindet sich die Zuckerfabrik Oldisleben in der Trägerschaft der gemeinnützigen Stiftung Kulturgut Zuckerfabrik Oldisleben. Ihr Ziel ist es, dieses einzigartige Industriedenkmal langfristig zu erhalten und seine Geschichte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Heute können Besucher die historische Zuckerfabrik im Rahmen einer Führung besichtigen, auch Fototouren für Fotografen werden nach vorheriger Anmeldung angeboten und bieten spannende Einblicke in die Welt der historischen Zuckerproduktion.

Bagger 1473 und Kraftwerk Plessa

Der Bagger 1473 mit der Typenbezeichnung SRs 1500 ist ein Schaufelradbagger, der in den Jahren 1964/1965 vom VEB Schwermaschinenbau Lauchhammerwerk gefertigt wurde. Bis zum Jahr 2002 war er im Lausitzer Braunkohlerevier im Einsatz. Nach seiner Stilllegung erfolgte 2003 die Umsetzung nach Hörlitz, um das Gerät als technisches Denkmal und Zeugnis der Bergbaugeschichte zu erhalten.

Der Bagger erhielt wegen seiner auffälligen blauen Farbe den Spitznamen „Blaues Wunder“. Inzwischen ist von diesem kräftigen Blauton allerdings kaum noch etwas zu sehen.

Anfang 2019 führte der zunehmende Verfall und Vandalismus erneut zu Überlegungen, den Bagger abzureißen; lediglich das Schaufelrad sollte erhalten bleiben. Nach Protesten vieler Bürger – darunter auch ehemalige Bergleute – wurde der Bagger vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege in die Denkmalliste aufgenommen.

Im August 2024 reichten die Bürgermeister der Städte Senftenberg, Großräschen und Schipkau bei der Oberen Denkmalschutzbehörde einen Antrag auf Entfernung des Baggers aus der Denkmalliste ein, um so seine kontrollierte Sprengung und anschließende Verwertung zu ermöglichen. Der Bagger befindet sich in einem immer schlechter werdenden Zustand, was mit Gefahren und hohen Kosten für die Instandhaltung verbunden ist. Der Bürgermeister von Schipkau betont, dass der Erhalt des Baggers nur möglich ist, wenn das Land Brandenburg finanzielle Hilfe für dringend notwendige Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten bereitstellt. Die Zukunft des Baggers bleibt offen.

Im Rahmen einer geführten Tour hatten wir die Möglichkeit das Kraftwerk Plessa zu besuchen.

Das Kraftwerk zählt zu den bedeutenden Industriedenkmalen der südbrandenburgischen Gemeinde Plessa im Landkreis Elbe-Elster. Als eines der ältesten Braunkohlekraftwerke Europas ist es in seiner ursprünglichen Bausubstanz erhalten geblieben.

Die Inbetriebnahme erfolgte 1927 durch den Elektrizitätsverband Gröba. In den 20er und 30er Jahren galt das Werk als eines der modernsten seiner Art. Nach Abschluss der drei Hauptbauphasen im Jahr 1942 erreichte das Kraftwerk eine Leistung von 54 MW, die infolge von Reparationsleistungen im Jahr 1945 auf 34 MW reduziert wurde.

Die Anlage wurde am 22. Juli 1985 unter Denkmalschutz gestellt. Nach der politischen Wende versuchte die Gemeinde Plessa mit einem Partner das Kraftwerk auf Erdgas umzurüsten, doch das Vorhaben scheiterte an hohen Kosten. Am 14. April 1992 ging das Kraftwerk endgültig vom Netz.

Im Jahr 1996 wurde das Kraftwerk vollständig von der Gemeinde Plessa übernommen. 2001 gründeten der Förderverein Kraftwerk Plessa e. V. und die Gemeinde gemeinsam die Industrie-Denkmal und Industrie-Museum Kraftwerk Plessa gGmbH, welche heute Eigentümerin des sechs Hektar großen Areals ist. Im September desselben Jahres starteten umfangreiche Sanierungs- und Sicherungsarbeiten am Gebäude, wobei der Schwerpunkt auf der Dachsanierung lag. Die Etablierung als Erlebnis-Kraftwerk Plessa scheiterten jedoch aufgrund der zu hohen Kosten. Aktuell liegt das Kraftwerk im Dornröschenschlaf. Die Zoelly-Turbine wurde von Kabeldieben zerstört, soll jedoch restauriert und in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden.

Durch die nunmehr regelmäßig stattfindenden Fototouren sollen Instandhaltungs- und Reparaturmaßnahmen finanziert werden. Die Zukunft des Kraftwerks bleibt weiterhin ungewiss. Es ist zu hoffen, dass es noch viele Jahre im jetzigen Zustand erhalten werden kann.

Das Amtsgerichtsgefängnis Berlin-Köpenick – Ein Ort zwischen Justizalltag und NS-Terror

Mitten in Köpenick unmittelbar hinter dem Amtsgericht Köpenick befindet sich dieser historische Gebäudekomplex. Auf den ersten Blick wirkt das Gebäude wie ein typischer wilhelminischer Justizbau. Doch das ehemalige Amtsgerichtsgefängnis Berlin-Köpenick ist weit mehr als ein architektonisches Relikt, es steht für die frühen Anfänge des nationalsozialistischen Terrors.

Das Gefängnis wurde zusammen mit dem Gerichtsgebäude des heutigen Amtsgerichts Köpenick errichtet. Baubeginn war 1899, fertiggestellt war das Gebäude 1901. Bauherr war seinerzeit die Königliche Justizverwaltung Preußens. Der Bau entstand, weil die bisherigen Räumlichkeiten des Gerichts nicht mehr ausreichten. Wie für preußische Amtsgerichte dieser Zeit üblich, wurde ein eigener Gefängnistrakt direkt angegliedert. Ursprünglich diente das Gefängnis dem regulären Untersuchungs- und Kurzzeitarrest. Hier wurden Personen untergebracht, die auf ihre Gerichtsverhandlung warteten, die kurze Haftstrafen verbüßten oder die dem Amtsgericht vorgeführt werden sollten.

Das Gefängnis bot Platz für etwa 55 Häftlinge. Auch die Unterbringung von Frauen war möglich. Die Zellen waren einfach gehalten, sie bestanden aus Holzbetten, die heruntergeklappt werden konnten, einer Waschgelegenheit und einem einfachen Metalleimer, der für die Notdurft diente. Die Abdrücke der Eimer sind noch heute im Boden erkennbar. In einer Zelle befanden sich mehrere Gefangene auf engstem Raum. Architektonisch entspricht der Bau dem typischen funktionalen Gefängnisstil um 1900: schlichte Flure, massive Türen, kleine vergitterte Fenster, lange schmale vergitterte Holztreppen. Über drei Etagen symmetrisch der gleiche Aufbau. Alles wirkt eng, gedrungen. Im obersten Stockwerk sorgt das verglaste Dach für einen beklemmenden Lichteinfall über alle Stockwerke.

Seine historische Bedeutung erhielt das Gefängnis durch die Ereignisse im Juni 1933, wenige Monate nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Während der sogenannten Köpenicker Blutwoche wurde das Gefängnis zu einem zentralen Ort der Gewalt. Im Januar 1933 begann die systematische Ausschaltung politischer Gegner. In Köpenick nutzten lokale SA-Einheiten die Situation zur gezielten Verfolgung von Sozialdemokraten, Kommunisten, Gewerkschaftern und jüdischen Bürgern.

Rund 500 Personen wurden verhaftet und im Amtsgerichtsgefängnis festgehalten, misshandelt und gefoltert. Mindestens 23 Menschen starben infolge der Gewaltaktionen. Die Ereignisse gelten als eines der ersten groß angelegten Gewaltverbrechen des Regimes gegen politische Gegner im Berliner Raum.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die DDR das Gebäude zunächst als Männer- und Jugendgefängnis und später als Haftanstalt. 1964 übernahm die DEFA das Zellengebäude und nutzte es als Filmkulisse, Kostümfundus und Schneiderei.

Seit 1977 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. 1980 wurde im Keller ein Denkmal für die Opfer der Köpenicker Blutwoche errichtet. Ebenso wird ein Teil des Geländes von der Kunstanstalt Köpenick genutzt.

Likolit Linoleumwerk Kohlmühle GmbH

Endlich wieder ein Fotoausflug! Diesmal führte uns unser Weg nach Kohlmühle. Die Anreise war abenteuerlich über eine einspurige, schmale, kurvige Straße mit Gegenverkehr.  Am Ende der Straße erscheint die atemberaubende Ruine der Likolit Linoleumwerk Kohlmühle GmbH.

Kohlmühle ist der kleinste Ortsteil von Hohnstein in der Sächsischen Schweiz und befindet sich im Sebnitztal. Besonders auffällig ist das große Backsteingebäude des Linoleumwerkes Kohlmühle, das unter Denkmalschutz steht. Ursprünglich wurde die Fabrik 1901/1902 zur Herstellung von Papier und Pappe errichtet. Im Jahr 1906 übernahm die Eduard Keffel AG Tannenbergsthal das Werk und legte den Fokus auf Kunstleder- und Wachstucherzeugnisse. Ab 1921 wurde Tisch- und Drucklinoleum produziert, 1931 kam es zur Übernahme einer weiteren Lederpappenfabrik in Planitz. Während des Zweiten Weltkriegs wurde ein Teil der Produktion auf Kriegsbedarf für die Junkerswerke Dessau umgestellt. Zwischen 1945 und 1946 ließ die sowjetische Militäradministration Maschinen und Anlagen demontieren.

Mit der Gründung der volkseigenen Betriebe in der ehemaligen DDR wurde das Werk 1948 verstaatlicht, modernisiert und erweitert. Ab 1952 trug es den Namen VEB Linoleumwerk Kohlmühle. In den späten 1960er Jahren wurden überwiegend Technologien aus Westdeutschland eingeführt. Damals gehörte das Unternehmen zu den fortschrittlichsten Herstellern von Fußbodenbelägen und verfügte über hohe Sicherheitsstandards. Im Jahr 1967 startete die Produktion von PVC-Fußbodenbelägen.

Nach der Wende wurde das Unternehmen in Likolit Linoleumwerk Kohlmühle GmbH umbenannt. Am 25. November 2013 eröffnete das Amtsgericht ein Insolvenzverfahren gegen die Firma. Im März 2014 wurde der Betrieb eingestellt. Die Insolvenz führte am 31. Mai 2016 zur Versteigerung und anschließend zum Verkauf der Firma. Aufgrund zahlreicher Schäden und Kontaminationen zweifeln die neuen Eigentümer jedoch an einer raschen und umfassenden Sanierung. Momentan wird am Standort der Ausbau der „Kulturfabrik Kohlmühle“ vorangetrieben. Eine Besichtigung des beeindruckenden Gebäudes ist über die Kulturfabrik Kohlmühle nach vorheriger Terminvereinbarung möglich.

Im Mai 2015 kam es zu einer Verunreinigung des Flusses Sebnitz infolge eines Unfalls. Nach Angaben des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie gelangten etwa fünf Kubikmeter Dioctylphthalat in das Gewässer. Diese organisch-chemische Verbindung ist neutral, wasserunlöslich, ölig, farblos bis schwach gelb und gilt als gering wassergefährdend. Industriell wird Dioctylphthalat als Weichmacher eingesetzt und stellt einen Produktionsrückstand aus der Herstellung von PVC-Belag dar. Am 20. September 2015 wurde zudem ein Gefahrguteinsatz der Freiwilligen Feuerwehr bei Likolit in Kohlmühle durchgeführt, wobei drei leere Behälter mit radioaktivem Warnsymbol geborgen werden mussten. In der Vergangenheit wurde bei Likolit radioaktives Material für Prüf- und Messzwecke verwendet.

Friedhof Altenburg

An Fronleichnam nahmen wir die Gelegenheit wahr, den alten Friedhof in Altenburg zu besichtigen.

Der Friedhof gehört zu den ältesten noch heute genutzten Stadtfriedhöfen Thüringens. Auf dem parkähnlichen Gelände befinden sich Architekturen und Grabmale aus den letzten vier Jahrhunderten. Der Haupteingang ist eine Kapelle im neogotischen Stil.

Im Rahmen der Führung konnten wir die alte Trauerhalle, die zur Aufbahrung diente, die Gottesackerkirche und die Fürstengruft besichtigen.

Der erste Verstorbene wurde am 6. Juni 1529 auf dem damaligen „Gottesacker“ beigesetzt. Die ursprüngliche Grabanlage des „Katholischen Friedhofs“ befand sich im Bereich der heutigen „Gottesackerkirche“. Aufgrund des stetigen Bevölkerungswachstums wurde der Friedhof bisher elfmal erweitert, einschließlich der Einbeziehung des „Städtischen Friedhofs“.

Die Gottesackerkirche wurde von 1635 bis 1651 im Stil der italienischen Spätrenaissance erbaut. Sie hat fünf Fensterachsen und einen Haupteingang mit doppelläufiger Treppe. Die Kirche schließt den 1529 angelegten Friedhof ab und wurde bis in die 1970er Jahre als Garnison- und Friedhofskirche genutzt. Von 1813 bis 1840 war sie profaniert. Das Deckenbild zeigt die Dreifaltigkeit, die Kanzel ist mit Goldelementen verziert. Die Orgel stammt aus dem Jahr 1845.

Die im altdeutschen Stil errichtete Fürstengruft vollendete der Baukontrolleur Winkler im Herbst 1841. In den Jahren von 1844 bis 1919 wurden in dieser 15 Angehörige der herzoglichen Familie bestattet. Alle Särge mussten 1974 aufgrund des schlechten Zustands des Gebäudes in andere Grabstätten auf dem Friedhof umgebettet werden. Heute ist die Gruft nur noch eine reizvolle Ruine. 

Die Trauerhalle ist Teil eines neugotischen Gebäudeensembles, das aus drei Teilen besteht. Der gesamte Gebäudekomplex wurde aus Sandstein aus den Postaer Steinbrüchen bei Pirna an der Elbe errichtet. Sie wurde 1895 erbaut und war bis 1930 in Nutzung. Durch die Jahre geriet die Halle in Vergessenheit. Eine dringend erforderliche Restaurierung konnte aus Kostengründen bislang nicht erfolgen. So befindet sich die ehemalige Trauerhalle im Dornröschenschlaf. Die Kapelle wird auch heute noch für kirchliche Bestattungen genutzt.

Auch ein Streifzug über den Friedhof lohnt sich. Auf dem Friedhof fanden zahlreiche, auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Persönlichkeiten ihre letzte Ruhe. Einige dieser Grabstätten sind noch erhalten. Sehr beeindruckend war auch der alte Baumbestand.

Brikettfabrik Louise

Über Go2Know haben wir eine Fototour in der Brikettfabrik Louise gebucht. Wir sind deshalb bereits am Vortag in Bad Liebenwerda angereist und haben in einer ganz wundervollen Landhotel übernachtet.

Umhüllt von herrlichem Grün und dennoch nur fußläufig vom Ortskern entfernt. Am Samstag haben wir uns dann noch Bad Liebenwerda angesehen und abends lecker gegessen.

Die Brikettfabrik Louise in Domsdorf, einem Ortsteil der Stadt Uebigau-Wahrenbrück im Landkreis Elbe-Elster in Brandenburg, ist die älteste Brikettfabrik Europas und ein technisches Denkmal.

Die Brikettfabrik Louise nahm im September 1882 ihren Betrieb auf. Bereits 1883 wurden über 150.000 hl Rohbraunkohle zu Briketts verarbeitet. Anfangs gab es nur zwei Pressen, doch wegen der steigenden Nachfrage wurden Erweiterungen durchgeführt. Schließlich standen sieben Pressen und zusätzlich zwei Röhrentrockner zur Verfügung. Die erste Lichtmaschine wurde 1896 in Betrieb genommen.

1908 begann der erste Bauabschnitt der Kraftwerkshalle. In den Jahren 1924 und 1938 folgten weitere Bauabschnitte, bis das Gebäude seine heutige Form erreichte. 1938 betrug die Tagesleistung der Brikettfabrik 360 Tonnen. Beim Einmarsch der Roten Armee im Jahr 1945 kam es nur vorübergehend zum Stillstand. Die Tagesproduktion an Briketts wurde auf 584 Tonnen erhöht, wobei der Wassergehalt jedoch 20 % betrug. Am 18. November 1991 wurde das letzte Brikett gepresst und am 6. Februar 1992 wurde die Brikettfabrik nach 110 Jahren ununterbrochener Produktion stillgelegt.

Im September 1992 wurde die Brikettfabrik Louise unter Denkmalschutz gestellt. Am 2. September 1994 gründete sich der Verein Freundeskreis Technisches Denkmal Brikettfabrik „Louise“ e. V., um die Maschinen und Anlagen zu erhalten und funktionsfähig zu machen. Die nahegelegene Siedlung Alwine beherbergte viele Fabrikmitarbeiter.

Heute kann die Brikettfabrik Louise legal besucht werden.

Görlitz Lost Place Tour 2025

Ein Besuch in Görlitz, einer Stadt mit vielen verlassenen Juwelen unmittelbar an der polnischen Grenze. Görlitz war einst eine reiche Stadt an der alten Handelsstraße mit dem Waid- und Tuchhandel. Mehrere 1.000 Baudenkmäler wurden zwischenzeitlich saniert. Viele Firmen, Hotels, Handelshäuser, Kaufhäuser und Fabriken liegen aus Kostengründen immer noch im Dornröschenschlaf.

Der Verein goerlitz21 e. V. bietet hier Lost-Place-Touren, Fahrradtouren und Stadtführungen an. Der Verein fördert nachhaltige Stadtentwicklung in Görlitz durch Bildung, Dialog und Engagement.

Dieses Jahr stand das Freisebad auf unserer Liste.

Das Freisebad ist eine ehemalige Badeanstalt in der Görlitzer Innenstadt.

Im Jahr 1887 gründete der Magdeburger Sanitätsrat Dr. Walther Freise die Kaltwasser-Heilanstalt an der Promenade, heute bekannt als Dr.-Kahlbaum-Allee. Sie war eine von drei Badeanstalten in der Stadt.

Diese befand sich gegenüber dem Tivoli und in der Nähe der Kahlbaum’schen Nervenheilanstalt, welche später zur II. medizinischen Klinik wurde. Die Klinik wird derzeit entkernt und soll einer neuen Nutzung zugeführt werden.

Freise leitete die Heilbadeanstalt bis 1905, musste sie jedoch wegen finanzieller Verluste an einen Verein abgeben. Dieser betrieb das Bad bis 1919 weiter, konnte aber trotz städtischer Zuschüsse keinen Gewinn erzielen. Die Stadt übernahm schließlich 1920 den Betrieb.

In der Heilanstalt von Freise wurden eine Vielzahl von therapeutischen Anwendungen angeboten, darunter Wannen-, Dampf- und Heißluftbäder sowie Sole-, Fichtennadel-, Kräuter- und Moorbäder. Ergänzt wurde dieses Angebot durch elektrische Licht- und Kohlensäurebäder. Den Besuchern stand von Anfang an auch ein Schwimmbecken zur Verfügung, das sowohl für Nichtschwimmer als auch für Schwimmer geeignet war.

Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Freisebad weiterbetrieben. Zuletzt umfasste es ein Dampfbad, eine Sauna, Duschen, Wannenbäder, ein Solarium und ein Schwimmbecken. 1996 beschloss die Stadtverwaltung die Schließung des Freisebads.

Im Jahr 2009 ließ die Stadt den Großschornstein auf der Rückseite sichern und führte eine provisorische Erneuerung des Dachs sowie der Dachentwässerung durch. Nach Angaben der Stadt ist jedoch eine vollständige Erneuerung des Dachs erforderlich und das Bad bedarf einer grundlegenden Sanierung, hierzu fehlen jedoch die finanziellen Mittel.

Es gab Pläne, das Bad und die ehemalige II. medizinische Klinik als Kompetenzzentrum für die Betreuung von Demenzpatienten (Kahlbaum-Projekt) zu reaktivieren und das Bad auch den Bürgern wieder zugänglich zu machen.

Die Pläne wurden jedoch auf Eis gelegt; das Bad liegt weiterhin im Dornröschenschlaf…

Im Anschluss besuchten wir noch die benachbarte II. medizinische Klinik.

Die Klinik wurde 1855 von Dr. Hermann Andreas Reimer als erste Epilepsieklinik Deutschlands gegründet und entwickelte sich unter der Leitung von Dr. Karl Ludwig Kahlbaum zu einer der bekanntesten psychiatrischen Einrichtungen des 19. Jahrhunderts.

Das Areal hat eine bewegte Geschichte. Während der NS-Zeit wurden 1943 die Kahlbaum-Patienten in die Anstalt Großschweidnitz verlegt, wo viele unter schlechten Bedingungen starben. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gelände zunächst als Lungenheilstätte. 1956 zog die II. Medizinische Klinik des Bezirkskrankenhauses Görlitz auf das Gelände. Seit 2004 steht es leer.

Das DZA wird das historische Areal wiederherstellen und zukünftig an dessen historische Bedeutung erinnern.

Zum Abschluss unserer Tour haben wir uns noch ein Wohn- und Geschäftshaus mit Fabrikanlage im Hinterhof angeschaut.

Das Alte Polizeipräsidium

Das Alte Polizeipräsidium in Frankfurt am Main wurde zwischen 1911 und 1914 erbaut. Von 1914 bis 2002 war es Sitz des Frankfurter Polizeipräsidiums. Die Fassade steht unter Denkmalschutz.

Aufgrund des zunehmenden Platzmangels an der Zeil wurde 1914 am damaligen Hohenzollernplatz (heute Friedrich-Ebert-Anlage) das „Neue Königliche Polizeipräsidium am Hohenzollernhof“ bezogen. Es wurde im Stil des Historismus errichtet, einer Mischung aus Neobarock und Neoklassizismus.

Während der Luftangriffe auf Frankfurt im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude 1944 erheblich beschädigt. Bis zur Wiederherstellung 1954 war ein großer Teil der Polizei an andere Orte im Stadtgebiet ausgelagert.

2002 zog das Präsidium in einen Neubau an der Adickesallee und gab den Standort auf. Das Gebäude steht seitdem weitgehend leer.

Das ehemalige Polizeipräsidium diente von 2002 bis 2010 mehrfach als Kulisse für den Tatort. Der letzte Tatort, der das Alte Polizeipräsidium als Kulisse genutzt hatte, trägt den Episodentitel „Leerstand“. Er wurde 2005 gedreht und 2006 ausgestrahlt. Bis 2010 war es Szene-Location für Partys, Ausstellungen und Kunstprojekte.

Im März 2018 teilte das Land Hessen den Verkauf des Alten Polizeipräsidiums für 212,5 Millionen Euro an die Düsseldorfer Gerchgroup mit.

Die Pläne umfassten die Sanierung des Altbaus sowie den Bau eines Neubauensembles bestehend aus Wohnungen, Büros, einem Hotel, einer Kindertagesstätte und einer Turnhalle für die Falkschule. Es war vorgesehen, etwa 800 Millionen Euro privat zu investieren. Der Baubeginn war für das Jahr 2022 angesetzt und die Fertigstellung für 2026 geplant.

Im August 2023 wurde bekanntgegeben, dass der Projektentwickler Gerch Insolvenz angemeldet hat. Die Auswirkungen auf das Projekt Altes Polizeipräsidium sind derzeit noch nicht absehbar.

Das Gebäude liegt seitdem im Dornröschenschlaf…  

Urbex Tschechien

Am Karfreitag ging es schon fast traditionell zum Fotografieren. Diesmal führte uns unsere Tour in das benachbarte Tschechien.

Das Zinnbergwerk Sauersack  befindet sich auf einer Höhe von 900 Metern über dem Meeresspiegel im westlichen Erzgebirge an der Verbindungsstraße zwischen Kraslice (Graslitz) und Nové Hamry (Neuhammer). Der Ort gehört zum Bezirk Sokolov in der Region Karlsbad.

Die Gründung von Sauersack geht auf den Bergbau zurück. Über den Beginn des Bergbaus in der Gemeinde ist jedoch nichts bekannt, da dieser von in Frübuß ansässigen Gewerken betrieben wurde. Ein Bergwerk ist erstmals 1492 urkundlich belegt. Eine weitere Erwähnung eines Bergwerks stammt aus dem Jahr 1556 mit der Verleihung der Gottes-Zinnzeche in der Schusterpeint. Im Jahr 1654 bestand das Dorf Sauersack aus elf Häusern, von denen jedoch nur neun bewohnt waren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Sauersack zum besatzungslosen Gebiet. Von Juli 1945 bis Mai 1946 wurde die deutsche Bevölkerung vertrieben. Nach der Vertreibung wurden nahezu alle Gebäude des Dorfes abgerissen. Nur das ehemalige Postgebäude blieb erhalten und dient heute als Wochenendhaus.

Nach dem Krieg übernahm der tschechische Staat die „Grube Sauersack“. Wegen geringer Zinngehalte und hoher Wasserhaltungskosten wurde der Bergbau jedoch nicht wieder aufgenommen. Das Zinnbergwerk wurde von 1946 bis 1947 ausgeschlachtet und aufgegeben. Die Anlagen wurden nach Tuchlovice bei Prag verbracht.

Die restlichen Gebäude wurden der Natur überlassen und die Tiefbauten wurden geflutet. Vom ehemaligen Lager für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter sind aufgrund der Holzbauweise lediglich die Grundmauern und vereinzelte Schornsteine erhalten geblieben. Erhalten geblieben sind hingegen die massive mehrstöckige Stahlbetonkonstruktion der Aufbereitungsanlage, die Mauerreste des „Schacht I“, das Becken des Schlammverdichters sowie eine Konstruktion, die vermutlich als Lager diente.

Heute ist es ein Lost Place und bei Urbexern als Zinnwäsche Sauersack bekannt. Eine Reise kurz hinter die ostdeutsche Grenze lohnt sich.

Auf dem Rückweg besuchten wir noch eine kleine Kirche, die verlassen am Rand eines kleinen Ortes liegt. Die Kirche weist keine Anzeichen von Vandalismus auf, sondern nur Spuren natürlichen Verfalls. Ein atemberaubender Zufallsfund. Weshalb ich hier gänzlich auf Ortsangaben verzichte.