Zuckerfabrik Oldisleben

Wer einen authentischen Einblick in die Geschichte der Zuckerherstellung erhalten möchte, sollte die Zuckerfabrik Oldisleben besuchen. Das beeindruckende Industriedenkmal im thüringischen Kyffhäuserkreis ist weit mehr als ein Museum: Es ist die letzte vollständig erhaltene Zuckerfabrik Europas, die ihre ursprüngliche Produktionstechnik aus dem Jahr 1872 bewahrt hat.

Die Geschichte der Zuckerfabrik begann am 30. Januar 1872 mit der Gründung einer eingetragenen Genossenschaft. Nur wenige Tage später fiel der Beschluss, die neue Fabrik direkt neben einer bereits bestehenden Zuckersiederei zu errichten. Noch im selben Jahr starteten die Bauarbeiten, während die technische Ausstattung von der Firma Röhrig & König geliefert wurde.

Schon damals war die Fabrik ein bedeutendes Industrieprojekt. Ein 41,5 Meter hoher Schornstein prägte das Ortsbild, und die Produktionsanlagen wurden im Laufe der Jahrzehnte kontinuierlich erweitert. Bis heute sind unter anderem sechs historische Dampfmaschinen aus den Jahren 1882 bis 1925, ein Kalkofen von 1898 sowie die letzte erhaltene Diffusionsbatterie Europas aus dem Jahr 1906 erhalten geblieben.

Zudem verfügt die Fabrik über ein eigenes noch immer eingerichtetes Labor.

Ebenso verfügte die Fabrik über eine eigene Krankenstation.

Während der DDR-Zeit wurde die Zuckerfabrik verstaatlicht und in verschiedene volkseigene Kombinate eingegliedert. Trotz technischer Entwicklungen an anderen Standorten blieb Oldisleben seiner ursprünglichen Produktionsweise treu.

Die letzte Zuckerrübenkampagne fand vom 26. September bis zum 18. Dezember 1990 statt. In dieser Zeit wurden noch einmal 6.639 Tonnen Weißzucker produziert. Damit endete nicht nur die Zuckerproduktion in Oldisleben – gleichzeitig schloss Europas letzte Zuckerfabrik, die noch mit der ursprünglichen Technik des 19. Jahrhunderts arbeitete.

Nach dem Ende der Zuckerherstellung fiel eine richtungsweisende Entscheidung: Statt die Fabrik abzureißen oder zu modernisieren, sollte sie in ihrem originalen Zustand erhalten bleiben. Sie wurde unter Denkmalschutz gestellt und zu einem technischen Denkmal entwickelt.

Nach der deutschen Wiedervereinigung übernahm zunächst die Südzucker AG das Gelände. Mit Unterstützung zahlreicher Förderprogramme des Bundes und des Freistaats Thüringen sowie durch eigene Investitionen konnten die historischen Anlagen umfassend restauriert und für kommende Generationen bewahrt werden.

Seit 2021 befindet sich die Zuckerfabrik Oldisleben in der Trägerschaft der gemeinnützigen Stiftung Kulturgut Zuckerfabrik Oldisleben. Ihr Ziel ist es, dieses einzigartige Industriedenkmal langfristig zu erhalten und seine Geschichte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Heute können Besucher die historische Zuckerfabrik im Rahmen einer Führung besichtigen, auch Fototouren für Fotografen werden nach vorheriger Anmeldung angeboten und bieten spannende Einblicke in die Welt der historischen Zuckerproduktion.